Was ist eigentlich „Natural Running“?

Was ist eigentlich „Natural Running“?

Diese Frage habe ich mir in letzter Zeit häufiger mal selber gestellt.

Wenn man nach „Natural Running“ im Netz sucht, wird man verschiedenste Definitionen finden.

So findet man u.a. die Seite von Dr. Marquardt, einem Läufer und Mediziner, der ein eigenes Konzept unter diesem Namen entworfen hat und dazu Seminare u.ä. anbietet.

Offensichtlich ist „Natural Running“ also eine Technik, die man (wieder)erlernen kann.

Ganz klar: das ist schonmal nicht das, wonach ich gesucht habe. Schauen wir also weiter.

Als nächstes finden wir einen Artikel mit demselben Titel wie dieser Blog-Eintrag (tatsächlich Zufall!) im Netzathleten Magazin. Hier erfahren wir, dass Natural Running u.U. nur ein Trend ist, erfahren aber auch zum ersten Mal etwas über verschiedene Laufstile. Natural Running wird hier als Barfußlaufen bzw. das Laufen in minimalistischen Schuhen bezeichnet.

Okay, das kommt meinem Verständnis schonmal etwas näher.

Auf den ersten Blick scheint es auch bei diesen Definitionen zu bleiben: Marktkonzept und Laufschuh mit dem verbundenen Laufstil bzw. Barfußlaufen.Es finden sich beim groben Überblicken verschiedene Seiten von Schuhherstellern, Magazinen u.ä., die über diese Definitionen nicht herausgehen.

Daher möchte ich an dieser Stelle mal den vielgequälten Begriff des „Natürlichen Laufens“ um meine Definition erweitern.

Natürliches Laufen kann sicher auch mit dem Schuhwerk und dem Laufstil zu tun haben. Durch das Tragen maximal gedämpfter Schuhe, hoher Absätze usw. hat sich unser Laufstil (und dazu zähle ich auch das Laufen außerhalb sportlicher Aktivitäten) soweit verändert, dass unser Bewegungsapparat sich von seiner usrprünglichen Aufgabe weit entfernt hat, dass enstprechende Verletzungen die Folge sind.

Durch Minimal-Schuhe u.ä. kann man seinen Fuß bestimmt ein Stück weit wieder in die richtige Richtung entwickeln. Aber bedeutet das für alle, die diesen Schritt nicht gehen können oder wollen, dass natürliches Laufen nicht möglich ist?

Ich denke nicht!

Denn natürliches Laufen fängt evtl. mit dem Schuhwerk an, hört da aber meiner Meinung nach noch lange nicht auf!

Bemühen wir Wikipedia, bedeutet „natürlich“: naturgemäß in der Natur vorkommend.

Das bedeuetet wiederum für mich, ersteinmal wahrzunehmen, was in der Natur vorkommt. Dazu muss ich die „Kultur“ natürlich verlassen und mich in die Natur hineinbegeben.

Schritt eins: Raus aus der Stadt und runter vom Asphalt. Rein in die Natur, auf natürlichen Untergründen laufen (von Forstweg bis hochalpiner Felsenweg und noch weiter, ist hier alles denkbar).

Wenn man also diesen ersten Schritt gegangen ist, habe ich dann auch die Gelegenheit (und sollte diese auch nutzen), die Natur wahrzunehmen.

Schritt zwei: mit offenen Augen und Ohren (MP3-Player raus!) durch die Weltgeschichte laufen. Ihr werdet überrascht sein, was es alles zu sehen, zu hören und sogar zu riechen gibt. Klar, auf dem Laufband werdet ihr sicherlich nicht klattschnass (zumindest nicht durch Regen oder Schnee), aber ihr werdet auch nicht fühlen, wie toll es sich anfühlt, seine Füße im Sommer in einen Bach zu halten oder im Winter gefrorenes Wasser an eben jenem Bach sehen, dass sich zu fantastischen Skulpturen windet.

Schritt drei:… das wars eigentlich schon!

Alles andere (Schuhe, Kleidung, Technik sonstiger Art) sind in meinen Augen nur noch Beiwerk. Ob ihr es bevorzugt mit High-Tech-Shirt, GPS-Gerät und aufblasbarer Küche loszuziehen, oder am liebsten barfuß und nur mit einer Short (die sollte es aber schon sein!) bekleidet: völlig egal!

Hauptsache: raus in die Natur und sehen was diese so zu bieten hat.

Also: PC ausschalten, evtl. Schuhe anziehen und loslaufen!

Und natürlich wird es noch viele andere Definitionen von Natural Running, natürlich laufen, Trailrunning oder wie immer ihr es bezeichnen wollt, geben.

Aber diese hier ist meine.

Und deswegen für mich die einzig richtige.

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5 thoughts on “Was ist eigentlich „Natural Running“?

  1. Wäre es jetzt etwas wärmer, würde ich sagen: Schuhe ausziehen und Barfuß übr eine Wiese laufen. Das ist Natural Running als Technik. Weniger über die künstlich gedämpfte Ferse abrollen, mehr Vorder- und Mittelfuß belasten.

    Das lässt sich natürlich auch auf Asphalt oder auf dem Laufband praktizieren. Richtig Spaß macht es aber in der Natur, auf wenig odr gar nicht befestigten Wegen und Pfaden. Da bin ich ganz Deiner Meinung.

    Viele Grüße
    Rainer 😎

    1. Natural Running als Technik ist mir ja durchaus bekannt. Auch die Seiten von Marquardt kannte ich schon vorher.
      Aber was mich stört, dass aus einem Begriff, der übersetzt nun wirklich nichts anderes heißt als „natürliches Laufen“, ein Kommerzprodukt wird und damit nun wieder alles andere als „natürlich“ ist.
      Laufen hat für mich viel mit auf sich selbst Besinnen zu tun, den Kommerz hinter sich lassen und einfach nur die Freude an der Bewegung in der Natur zu erleben.
      Durch solche Trends wird das in meinen Augen geradezu pervertiert.

      1. Ganz so dramatisch sehe ich das nicht. Eine Kombination aus gesundem Laufstil und der Freude am Läufen in der Natur wünsche ich jedem. Wer sich auf die Kommerzialisierung einlässt, muss wissen, was er tut.

      2. Klar, wir sind alle erwachsen, dürfen wählen gehen und da sollte man meinen, dass die meisten von uns sachliche und gut informierte Entscheidungen treffen können.
        Nur fürchte ich, dass dem so nicht ist. Dass sich doch viele von vermeintlichen Trends und Heilsbringern/Szenegöttern/… so beeinflussen lassen, dass sie vergessen, was Laufen eigentlich ist: nämlich die natürlichste Fortbewegungsart der Welt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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